Kernkraft senkt Emissionen, schafft Arbeitsplätze und stärkt die Wirtschaft – findet das amerikanische Energieministerium. Deshalb spendiert es seiner Kernindustrie eine Vitaminspritze: Die US-Firmen Terra Power und X-Energy bekommen eine Anschubfinanzierung von 180 Millionen Dollar für ihre neuen Reaktorkonzepte – mit der Option auf weitere Milliarden im Lauf der Realisierung.

 

Die USA wollen wieder eine Kerntechnik-Nation sein: Das staatliche Advanced Reactor Demonstration Program hat kürzlich zwei Unternehmen ausgewählt, die hohe Fördersummen bekommen. Die Unternehmen Terra Power und X-Energy sollen innerhalb von sieben Jahren zwei unterschiedliche Prototypen fertigstellen, die zuverlässigen und regalbaren Strom liefern. Nationale Forschungseinrichtungen sollen bei der Entwicklung helfen. „Neue Kernkraft spielt eine wichtige Rolle in unser Clean-Energy-Strategie“, so Energieminister Dan Brouilette.

Die ausgewählten Designs: anders, aber nicht neu

Die Firmen erhielten den Zuschlag, weil die Jury ihre Pläne als machbar, schnell realisierbar und wettbewerbsfähig einschätzte. Die Entwürfe weichen grundlegend von den meisten heutigen Reaktoren ab. Dort erhitzt die Energie der Kernspaltung Wasser. Es zirkuliert durch den Kern und hat die Aufgabe, die Wärme zum nichtnuklearen Kraftwerksteil zu transportieren. Das funktioniert am besten, wenn das Wasser unter Druck steht. Im nichtnuklearen Kraftwerksteil erzeugt die Hitze Dampf, die wiederum Turbinen zur Stromerzeugung antreibt.

Der Natrium-Reaktor von TerraPower nutzt statt Wasser geschmolzenes Natrium als Kühlmittel. Da Natrium eine höhere Siedetemperatur als Wasser hat, müsste es nicht unter Druck gesetzt werden. TerraPower hofft, auf diesem herausfordernden Weg Komplexität und Kosten der Anlage zu verringern. Das Design von X-Energy sieht zur Kühlung unter Druck stehendes Heliumgas vor, was hohe Betriebstemperaturen von 750°C ermöglichen würde. Im Reaktorkern gibt es keine Brennstäbe, sondern mit Uran versetzte Graphitkugeln. Deutschen könnten beide Prinzipien bekannt vorkommen: Beide Reaktortypen wurden bereits in Deutschland umgesetzt. Neu sind die ausgewählten Designs also nicht. Neben den erwähnten Vorteilen haben sie auch Nachteile: Natrium-Reaktoren erfordern eine aufwendige Sicherheitstechnik, weil der Umgang mit Natrium komplex ist. Kugelhaufen-Reaktoren haben eine geringe Leistungsdichte.

Auch Joe Biden setzt weiter auf Kernkraft

Dennoch: „Dass die größte westliche Demokratie sich wieder der Kerntechnik zuwendet, ist ein ganz wichtiges Signal – auch wenn die geförderten Technologien nicht wirklich neu sind.“, so Björn Peters, CFO bei Dual Fluid. Das Energieministerium hat immerhin angekündigt, mit weiteren 50 Milliarden Dollar auch echte Innovationen zu fördern – also Reaktoren, die bisher nur als Konzept existieren. Die Firmen, die davon profitieren, sollen im Dezember bekanntgegeben werden.

Auch Joe Biden will an der Kernenergie festhalten: Bis 2050 soll das amerikanische Stromnetz komplett emissionsfrei sein, wofür er alle emissionsarmen Technologien nutzen will. Im Rahmen seines „Plan for a Clean Energy Revolution and Environmental Justice“ verspricht Biden, die Kernkraft der Zukunft zu identifizieren – und nennt explizit kleine modulare Reaktoren (SMR) als Hoffnungsträger.

 

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